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Chronologie einer Bewegung und
Dokument einer desaströsen Politik

Doppelresidenz, PETRA-Studie und Familienrechtsreform

Schon ab Beginn des Jahres 2012 werden insbesondere bis Ende 2014 Dutzende von Themenabende zum Thema Doppelresidenz von VAfK-Kreisvereinen organisiert. Bei allen referiert (unter anderen) Angela Hoffmeyer als Organisatorin der Projektgruppe Doppelresidenz.

23.06.2012

Prof. Hildegund Sünderhauf stellt in einem Referat mit dem Titel „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für getrennt lebende Eltern – ein Votum für abwechselnde Betreuung?“ beim VÄTERKONGRESS in Karlsruhe zum ersten Mal ihr noch nicht erschienenes Buch „Wechselmodell“ vor und erklärt, dass dieses Buch zwei Monate später mit etwa 350 Seiten erscheinen wird.

Die Entwicklung verläuft danach aber so rasant, dass ihr Buch erst ein Jahr später mit etwa dem dreifachen Umfang veröffentlicht wird.

10./11. August 2013

Kick-off-Meeting der internationalen Internetplattform twohomes.org unter Führung von Angela Hoffmeyer in Bonn mit 21 Teilnehmenden aus den Bereichen Wissenschaft, familialen Professionen und der Zivilgesellschaft aus 14 Ländern. Es reift der Entschluss, einen Internationalen Verband zum Thema zu gründen.

20.09.2013

Beim 20. Deutschen Familiengerichtstag in Brühl beschließt der wegen Überfüllung in die Aula verlegte Arbeitskreis „Wechselmodell“ mit Hildegund Sünderhauf,

  1. das Wechselmodell in alle Überlegungen um die Betreuung von Kindern nach Trennung und Scheidung mit einzubeziehen und
  2. dass es eine eigene deutsche Studie zum Wechselmodell geben muss.

Der Vorstand des DFGT traut seinen eigenen Mitgliedern nicht und boykottiert seine eigenen demokratischen Spielregeln:

Diese überwältigend und nahezu einstimmig beschlossenen Ergebnisse eines der größten Arbeitskreise, die es je beim DFGT gab, wird vom Vorstand nicht auf die Webseite übernommen und wird auch nicht an die Politik weitergegeben.

Mit antidemokratischer Machtpolitik und Ideologie ist also nicht nur in der Politik zu rechnen, sondern auch einflussreiche Vereine und Verbände üben sich in Machtgebaren.

22.+23.02.2014

Gründung des International Council on Shared Parenting (ICSP) in Bonn durch 26 führende Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, familialen Professionen und Zivilgesellschaft aus 11 Nationen.

Sommer 2014

Die Bundesregierung und das BMFSFJ beschließen ein Forschungsvorhaben, das die Auswirkungen von Umgangskontakten auf das Kindeswohl ermitteln soll.

Initiator: CDU/CSU Fraktion/Markus Weinberg (Fam.pol.Sprecher)

Das BMFSFJ kommt der Forderung nach einer eigenen deutschen Studie zum Thema Beherbergungsmodelle von Kindern nach Trennung oder Scheidung nach.

Natürlich steht hinter dieser Forderung die Weigerung, die durchweg positive Beurteilung der Doppelresidenz in den rund 50 Internationalen Studien beachten zu wollen, um mit der Begründung, dass sich deutsche Kinder eben von allen anderen Kindern dieser Welt signifikant unterscheiden würden, eine spezifisch deutsche Studie in Auftrag zu geben, auf die dann auch Einfluss genommen werden könnte.

Ab dieser Beauftragung wird jede Diskussion um das Wechselmodell mit dem Hinweis auf diese Studie abgewürgt.

Damit wird ein Erwartungsdruck erzeugt, der alle Professionen und Betroffenen jahrelang beschäftigte.

Es war schon von Anfang an klar, dass eine deutsche Studie mit einem niedrigen 4-stelligen n mit z.B. den schwedischen Studien mit bis zu über 150.000 berücksichtigen untersuchten Kindern nie mithalten könnte.

Wir konnten aber in der Diskussion erleben, dass kritische Ergebnisse zum Wechselmodell, die über eine marginale Teilnehmerzahl erzielt wurden, zum schwergewichtigen Gegenargument hochstilisiert wurden, was Teil der hochemotional und hoch ideologisiert geführten Diskussion in Deutschland ausmachte.

22.09.2014

Erste bundesweite Doppelresidenz Fachtagung in Kooperation mit der „Johannes Gutenberg Universität“ und dem „Zentrum für interdisziplinäre Forensik“ in Mainz.

Thema: „Kinder im Fokus von Trennung und Scheidung – Paritätische Doppelresidenz“

09.04.2015

Ausschreibung der Studie durch das BMFSFJ

Ende 2015

Auftrag an „Projekt PETRA“

Vergabe der Studie 2015 an Professor Franz Petermann, Universität Bremen.

Durchführung durch das „Projekt PETRA“. Umsetzung und Koordination: Dr. Stefan Rücker.

Da Professor Petermann schwer erkrankte und im August 2019 verstarb, leitete die Ausarbeitung der Studie danach ausschließlich Stefan Rücker.

Die Studie wurde durch einen „Wissenschaftlichen Beirat“ begleitet, dessen Zusammensetzung allerdings nicht nur wissenschaftlich, sondern auch machtpolitisch orientiert war und am Anfang geheim gehalten wurde:

Vier Vertreterinnen des Familienministeriums, vier Parteienvertreter, VertreterInnen von Jugendamt und Jugendhilfe sowie Prof. Hildegund Sünderhauf und Prof. Sabine Walper.

Diese „wissenschaftliche“ Begleitung sollte nach außen die Studie professionalisieren. Tatsächlich aber war der Beirat ein Instrument der machtpolitischen Einflussnahme auf die Studie und wurde auch immer wieder durch das BMFSFJ durch eigenes machtpolitisches Gebaren glatt ignoriert.

Professor Petermann antwortete auf die Frage nach der politischen Einflussnahme auf die Studie: „Ja, das wurde versucht, aber ich lasse mir von denen nicht meinen Ruf als unabhängiger Wissenschaftler kaputt machen.“

Weil das BMFSFJ daran interessiert war, nur Ergebnisse zu erzielen, die der SPD-geführten ideologischen Ausrichtung auf das mütterzentrierte Residenzmodell gerecht wurden, war die Einbeziehung von Vätern nach einer Trennung der Eltern der am meisten umstrittene methodische Streitpunkt im Kontext der Studie.

Frühjahr 2016

öffentlicher Aufruf zur Beteiligung an der Studie

„Das BMFSFJ möchte erforschen, wie Kinder und Jugendliche unterschiedliche Umgangskonstellationen erleben, wie es ihnen dabei geht und wie sich die konkrete Ausgestaltung des Umgangsrechts auf ihr Befinden und ihre weitere Entwicklung auswirkt. Ebenso soll untersucht werden, wie familiengerichtliche Verfahren und die Beratung durch die Kinder- und Jugendhilfe in Umgangsfragen hinsichtlich des Kindeswohls bestmöglich gestaltet werden können.“

Regelungen: Trennung darf nicht länger als 4 Jahre zurückliegen.

Unseren Beobachtungen nach erfolgte der Ablauf der Studie in allen Fällen, in denen Teilnehmer mit Kontakt zu uns interviewt wurden, konstruktiv, allparteilich, korrekt und sensibel.

07.05.2015

Die vom Väteraufbruch für Kinder (VAfK) und Verband berufstätiger Mütter (VBM) initiierte Anhörung vor dem Familienausschuss des Bundestages zum Thema „Aktive Elternschaft im Lebensverlauf – Paritätische Doppelresidenz (Wechselmodell)“ gerät unter anderem zum Dokument demonstrativer Ignoranz bestimmter weiblicher Mitglieder des Familienausschusses.

16.06.2015

Der Väteraufbruch für Kinder e.V. (VAfK) und der Verband berufstätiger Mütter (VBM) veranstalteten am 16.06.2015 einen ersten gemeinsamen Parlamentarischen Abend in der Landesvertretung Sachsen-Anhalt in Berlin zum Thema „Rahmenbedingungen für Kinder, Mütter und Väter in modernen Familienformen“ mit ca. 70 Teilnehmenden.

22.09.2016

Der Väteraufbruch für Kinder e.V. (VAfK) und der Verband berufstätiger Mütter (VBM) veranstalteten am 22.09.2016 einen weiteren Familienpolitischen Abend zum Thema „Familien im gesellschaftlichen Wandel – auf dem Weg zur gleichberechtigten Elternschaft von Anfang an. Lösungsansätze im europäischen Kontext und deren Chancen und Risiken für Familien in Deutschland“. Das Bundesforum Männer, vertreten durch den Vorsitzenden, Martin Rosowski, war mit einem Vortrag zur Entwicklung der Situation von Vätern in Deutschland und zur aktuellen Situation beteiligt.

22.10.2016

Fachtagung „Doppelresidenz“ im Bundesministerium für Finanzen in Wien.

15.03.2018

Die FDP bringt die Diskussion um das Wechselmodell in den Bundestag.

13.02.2019

Öffentliche Anhörung der Sachverständigen vor dem Rechtsausschuss des Bundestages zum Wechselmodell.

18.03.2019

Anhörung im Bundestag zu einer Novelle des Abstammungsrechts. Es wird deutlich, dass Abstammung durch Sozialisation ersetzt werden soll. So soll z.B. die Ehefrau einer lesbischen Mutter das Gemeinsame Sorgerecht erhalten.

30.04.2019

Abgabe der fertigen PETRA-Studie durch Dr. Stefan Rücker beim BMFSFJ.

Dort wird sie seither weggeschlossen.

Es läuft ein Verfahren auf Herausgabe der Studie vor dem Verwaltungsgericht in Berlin.

23.05.2019

Internationale Tagung in der tschechischen Botschaft in Berlin zum Thema „Equality and Shared Parental Responsibility. Resolution 2079 (2015) of the Parliamentary Assembly of the Council of Europe – What now?

Organisation: Jürgen Rudolph

29.10.2019

Die Fach-Arbeitsgruppe Sorge- und Umgangsrecht beim Bundesjustizministerium legt ein Thesenpapier vor, das mit hohen Zustimmungsraten einige unserer Kritikpunkte ausräumt: So soll z.B. der §1671 BGB als Machtinstrument von Eltern gegeneinander weniger Bedeutung erhalten und für feststehende leibliche Eltern soll das Gemeinsame Sorgerecht ab Geburt bestehen, unabhängig von ihrer Bindungsform.

10.08.2020

Bundesjustizministerin Lambrecht (SPD) verwirft die Vorschläge der hochkarätigen Expertenkommission und fährt die Reform zurück. Hauptargument: 7 Jahre SPD seien nicht genug Zeit für eine wirkliche Reform gewesen.

Väter in Deutschland fühlen sich von der SPD betrogen und müssen erkennen, dass deren Credo, das Männliche in der Gesellschaft überwinden zu wollen (Grundsatzprogramm), desaströse Konsequenzen hat.

August 2020

Beauftragung von Prof. Sabine Walper durch das BMFSFJ mit der „Fertigstellung“ der PETRA-Studie. Als Kritikerin der Doppelresidenz ist offensichtlich, dass ihre Aufgabe darin besteht, die Ergebnisse der Studie so zurecht zu biegen, dass sie der SPD ins Weltbild passt.

Was die PETRA-Studie überdeutlich gemacht hat, ist die politische Steuerung von angeblich „wissenschaftlichen“ Studien.

„Trau keiner Studie, die Du nicht selbst gefälscht hast.“

15.08.2020

Der VAfK Mainz nimmt deutlich Stellung zur abgesagten Reform. Elmar Riedel als Autor ist selbst SPD-Mitglied und rät von der Wahl der SPD ab.

21.08.2020

In einer Antwort an einen Einzelkläger, der nach dem Informationsfreiheitsgesetz die Herausgabe der PETRA-Studie und des Schriftwechsels zwischen dem BMFSFJ und den Studienerstellern fordert, teilt das BMFSFJ mit, dass ein gerichtliches Verfahren auf Herausgabe dieser Dokumente beim Verwaltungsgericht in Berlin läuft.

02.09.2020

Brandbrief des VAfK an Ministerin Giffey: Es reicht!

10.09.2020

WELT: Die Wut der Väter auf die SPD

24.09.2020

Sabine Menkens von der WELT unterzieht Justizministerin Lambrecht einem unfreiwilligen Intelligenztest.

WELT: Schwule fühlen sich durch die neue Regelung gegenüber lesbischen Paaren diskriminiert…

LAMBRECHT: Die Situation ist bei schwulen Paaren anders. Hier ist zu berücksichtigen, dass ein Kind auch immer eine leibliche Mutter hat. Daher lässt sich das Modell nicht genauso auf schwule Paare übertragen.

30.09.2020

doppelresidenz.org zur Ignoranz der Bundesregierung gegenüber der Resolution 2079 der Europarates aus dem Jahr 2015

Freitag, 13.11.2020

Als Bundesfamilienministerin/Bundesfrauenministerin Giffey merkt, dass ihre Betrügereien im Rahmen ihrer Doktorarbeit auffliegen werden, verzichtet sie schnell auf ihren Doktortitel. Warum kommt das erst in letzter Sekunde? Warum gibt sie beim ersten Verdacht nicht zu, dass sie betrogen hat?

Interessant ist, dass ihre Betrugsmasche nicht als solche erkannt werden will, sondern dass sogar Bundeskanzlerin Merkel sich mit ihr soldidarisch erklärt. Es wird ihr hoch angerechnet, dass sie „Schaden abwenden will“.

Welche Perversion ethischer Grundsätze.
Schweinereien sind politische Alltagsarbeit.

20.11.2020

Die FDP stellte am 30.10.2020 eine kleine Anfrage an die Bundesregierung, um Antwort auf Fragen zur abgesagten Reform zu erhalten.

Die FDP reagiert auf die Antwort mit folgender Presseerklärung:

„Die Bundesregierung versagt bei der unstreitig überfälligen Reform des Familienrechts auf ganzer Linie.

Nachdem bereits ein erster Entwurf von Frau Barley versandet ist, trifft nun das von Frau Lambrecht in den Blick genommene Mini-Reförmchen offenbar dasselbe Schicksal. Obwohl die Ministerin bekräftigt hat, dass alle Konflikte ausgeräumt und Zweifel beseitigt seien, kommt der Gesetzentwurf einfach nicht aus der Ressortabstimmung hinaus.

Die Ministerin lässt sich zwischen Frauenrechtsaktivistinnen auf der einen und Ultrakonservativen auf der anderen Seite aufreiben. Am Ende fehlen Mut und Durchsetzungskraft.

Die Kinder in diesem Land haben ein modernes Familienrecht verdient, das anerkennt, dass Mütter und Väter auch nach Trennung und Scheidung weiter in großem Umfang Verantwortung tragen und das Wechselmodell als gesetzliches Leitbild vorsieht.

Das gemeinsame Sorgerecht ab Geburt ist überfällig – das hat eine Expertenarbeitsgruppe bescheinigt. Diese Arbeitsgruppen haben für das Ministerium aber offenbar ohnehin nur Alibi-Funktion. Entweder werden ihre Ergebnisse sogar vor den Parlamentariern vorsichtshalber geheim gehalten – wie nun bei der Arbeitsgruppe „Kindesunterhalt nach Trennung und Scheidung” oder ignoriert. Auch die PETRA-Studie zu Kindeswohl und Umgangsrecht hat noch immer nicht das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Es bleibt nur zu mutmaßen, welche Kräfte hinter verschlossenen Türen warten. Die Bundesregierung täte gut daran, die Kinder in den Fokus zu nehmen statt irgendwelcher Interessengruppen und dem Parlament wie der Bevölkerung Informationen über den internen Diskussionsstand zu gewähren. Die Familien in unserem Land haben Transparenz verdient.“